Sonntag, 7. Februar 2016

Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen

Habt ihr auch schon von Jenny Erpenbecks wunderschönem Roman "Gehen, ging, gegangen" gehört? Er wurde ja letztes Jahr auf einigen Blogs vorgestellt, sodass ich neugierig wurde und ihn unbedingt auch lesen wollte.

Rentner trifft auf Flüchtlinge

 

"Vielleicht liegen noch viele Jahre vor ihm, vielleicht nur noch ein paar." 
Kernfigur des Romans ist Richard, ein emeritierter Professor und Wittwer aus Berlin. Nachdem er sein Büro an der Universität leer geräumt hat, findet er sich alleine in seinem großen Haus am Rande Berlins wieder. Nachdenklich sortiert Richard seine Unterlage und weiß gar nicht, was er nun mit der vielen Zeit anfangen soll. Dieses Problem löst sich, als er von der Situation am Oranienplatz erfährt. Dort wohnen zahlreiche Flüchtlinge in Zelten und kämpfen, zur Not durch Hungerstreiks, dafür in Deutschland bleiben zu können. Als die Flüchtlinge in einem stillgelegten Teil eines Alterheims in der Nähe von Richards Haus untergebracht werden, beginnt er, sie regelmäßig zu besuchen. Unter dem Vorwand, eine Studie durchführen zu wollen, führt er Interviews mit vielen der jungen und älteren Männer aus Afrika und dem Nahen Osten. Als gebannter Zuhörer interessiert er sich für die Lebensgeschichte eines jeden einzelnen, der bereit ist mit ihm zu reden.

Montag, 1. Februar 2016

Lesetipp des Monats: Jenseits von Afrika

In den Wintermonaten bekomme ich immer ganz schlimmes Fernweh. Deshalb habe ich in den
letzten Woche viele Bücher und Geschichten aus und über Afrika gelesen. Dann kann man sich beim Lesen wenigstens ein bisschen ins Warme träumen. Mein Lesetipp für den Februar ist daher auch ein Afrika-Klassiker von einer ganz besonderen Autorin, von der viele Geschichten verfilmt wurden und nach der sogar ein Asteroid benannt wurde.

Eckdaten zum Autor:
Karen Blixen, Tania Blixen und Isak Dinesen - drei Pseudonyme hinter denen eine Frau steht: Karen Christence von Blixen-Finecke, geborene Dinesen, die 1885 in Kopenhagen geboren wurde. Und auch unter den Namen Osceola, Peter Lawless,Pierre Andrée zel oder Nozdref’s Cook veröffentlichte die Autorin ihre Novellen und Kurzgeschichten. In ihrem wohlbehüteten und gut betuchten Elternhaus wuchs Blixen mit ihren vier Geschwistern Inger Benedicte, Ellen Alvilde, Thomas Fasti und Anders Runsti auf. Während ihre zwei Schwestern eher musikalisch talentiert waren, entwickelte Blixen ihr sprachliches Talent und besuchte verschiedene Kunstschulen in Kopenhagen, Paris und Rom. 1907, nachdem das Studium beendet war, veröffentlichte Blixen ihre ersten Kurzgeschichten. Bereits als Kind stand sie in Kontakt zu ihrem späteren Ehemann Bror von Blixen-Finecke, der Sohn einer Cousine ihres Vaters. Eigentlich verliebte sich Blixen in Brors Zwillingsbruder Hans, diese Liebe blieb aber unerwidert, sodass sich Blixen mit Bror 1912 verlobte.

Montag, 18. Januar 2016

Jo Nesbø: Kakerlaken

Vor lauter Hercule Poirot, Carl Mrøck und Benny Grissel habe ich fast einen meiner anderen Lieblingsermittler vergessen: Harry Hole. Nach und nach will ich ja versuchen auch diese Krimiserie komplett zu lesen. Zu Beginn habe ich die Reihenfolge der Bücher nicht wirklich beachtet, aber inzwischen versuche ich, die Bücher in der richtigen Folge zu lesen. Dann ergibt die Hintergrundstory um Harry Hole auch etwas mehr Sinn. Daher habe ich jetzt erst den zweiten Band mit dem Titel Kakerlaken ausgelesen.

Dienstag, 12. Januar 2016

Valeria Luiselli: Die Schwerelosen

Ein besonderer Rhythmus, auf den man sich einlassen muss!

Ich weiß leider nicht mehr, wie ich auf dieses Buch gestoßen bin. Es war irgendwo im WWW und ich habe es mir spontant noch zu Weihnachten gewünscht, bekommen und sofort gelesen. Denn die Beschreibung des Buches hat mich sofort angezogen:
"Ein Paar mit zwei Kindern in einem Haus in Mexico City. Sie schreibt an einem Roman, er liest mit. Sie erzählt von der Zeit, als sie als Lektorin in New York gearbeitet hat, von den Fremden, die ihre Liebhaber wurden, von den Dichtern und Gespenstern, die einst in ihrer Nachbarschaft wohnten, und dem vergeblichen Versuch, ihren Verleger von dem Werk des Mexikanischen Dichters Gilberto Owen zu überzeugen. Dabei gerät ihr Leben immer mehr aus der Bahn, und in ihren Roman wächst eine andere Erzählstimme..."

Freitag, 8. Januar 2016

Deon Meyer: Icarus

Nach einem schier endlosen Umzugsmarathon habe ich über die Feiertage endlich wieder etwas Luft
zum Lesen gehabt. Und da ich bei diesem unweihnachtlichen Wetter Fernweh bekam, habe ich mir mein neues Deon Meyer Buch zu Hand genommen und mich wieder mit meinem Lieblingsermittler Bennie Griessel auf Spurensuche in Südafrika gemacht. Doch wie Titel Icarus schon erahnen lässt, geht es darum, dass nach hohem Flug auch ein tiefer Fall folgen kann. So ergeht es leider auch Benny, der einen schweren Rückschlag erleiden musste.

Freitag, 1. Januar 2016

Was das Frühjahr 2016 für neue Romane mit sich bringt

Ich kann es einfach nicht lassen... zu Hause stapeln sich die ungelesenen Bücher und trotzdem schaue ich mir schon Neuerscheinungen aus dem Frühjahrsprogramm 2016 an. Ein paar Titel haben mich dabei besonders angesprochen. Aus denen habe ich drei Stück herausgesucht, um sie euch kurz vorzustellen:

Die Kunst, Champagner zu trinken

Zwei Schriftstellerinnen und Freundinnen feiern zusammen ausgiebig die Literatur und den Genuss von Champagner. Eine tolle Kombi, da möchte man direkt mitmachen :) Und dann, heißt es in der Vorschau, kommt Katerstimmung auf. Nicht alles lässt sich mit Alkohol wegspülen. Ich bin gespannt, wohin diese Geschichte führt.

Amélie Nothomb: "Die Kunst, Champagner zu trinken", Diogenes, erscheint am 24.02.2106

Sonntag, 20. Dezember 2015

Edith Wharton: Zeit der Unschuld

Hier ist mein Last-Minute-Geschenktipp für euch:

Die männliche Variante von Emma Bovary, Anna Karenina oder Effi Briest!   

 

Newland Archer, aus den besten New-Yorker-Kreisen, wird von gesellschäftlichen Zwängen erdrückt und muss sich zwischen einer guten und schlechten Partie entscheiden. Welches Mädchen soll er heiraten?


Edith Wharton porträtiert den New Yorker Geldaldel vor der Jahrhundertwende und den Umbrüchen durch den ersten Weltkrieg, nämlich in den 1870er Jahren. Als Aufhänger dafür nimmt sie den jungen Newland Archer, der sich mit der mädchenhaft, unschuldigen May Welland verloben will. Eine ständesgemäße Verbindung im auserlesenen New Yorker High-Society-Kreis. Kurz bevor die Verlobung verkündet werden soll, taucht jedoch Mays Cousine Ellen Olenska aus Europa auf. Sie hat bereits schlechte Erfahrungen in ihrer Ehe gemacht und ihren Ehemann verlassen - ein Skandal für die New Yorker Gesellschaft! Das denkt anfangs auch Archer, der gesellschaftliche Konventionen und Regeln für sehr wichtig hält. Aber als er die Gräfin Ellen Olenska näher kennenlernt, ist er bereit, seine Ansichen über Bord zu werfen. Denn sie ist anders, eigenwillig, hat einen starken Charakter. Newland fühlt sich sofort von ihr angezogen.

Montag, 14. Dezember 2015

David Lagercrantz: Verschwörung

Hallo ihr Lieben,

irgendwie hatte es das Jahr 2015 ganz schön in sich, was Aufreger-Bücher angeht. Neben Harper Lees "Gehe hin, stelle einen Wächter", den neuen Bücher von Salman Rushdie und Umberto Eco stand natürlich auch David Lagercrantz "Verschwörung" ganz oben auf der Liste. Nicht umsonst. Denn Lagercrantz Roman ist die Fortsetzung von Stieg Larssons Millenium-Triologie rund um den Journalisten Mikael Blomkvist und die eigenwillige Hackerin Lisbeth Salander. Schon bevor das Buch auf den Markt kam, sorgte es deshalb für viel Aufregung. Schließlich starb Larsson, der die außergewöhnlichen Charaktere Blomkvist und Salander geschaffen hatte, 2004 an einem Herzinfarkt, nachdem er die ersten drei Bände verfasst hatte. Ursprünglich war die Reihe auf zehn Bände angelegt, aber selbst die Veröffentlichung der ersten konnte der geniale Autor Larsson nicht mehr erleben.

Montag, 7. Dezember 2015

George R.R. Martin: A Feast for Crows

Wie immer bei meinen Game of Thrones Posts warne ich vor dem Lesen vor Spoilern! Wer sich das Lesevergnügen nicht verderben will, sollte hier lieber weggucken und einen anderen Post anklicken - ansonsten gilt hier: Weiterlesen auf eigene Gefahr ;) A Feast for Crows ist das vierte Buch von George R.R. Martins fulminanter Game of Thrones Reihe. Der Band setzt natürlich genau dort ein, wo der vorherige aufgehört hat. Da Martin beim Schreiben aber gemerkt hat, dass das Buch zu dick werden drohte, entschied er sich dafür die Geschichte nicht chronologisch zu trennen sondern nach Personen. Daher begleiten wir in diesem Band vor allem Cersei und Jamie Lannister. Viele der anderen Charaktere kommen erst wieder im nächsten Band, A Dance with Dragons, vor. 

Dienstag, 1. Dezember 2015

Lesetipp des Monats: Der menschliche Makel

Juhu, die Adventszeit hat begonnen, die erste Kerze konnte schon angezündet werden und heute können wir auch schon das erste Türchen am Adventskalender öffnen. Pünktlich zum 1. Dezember präsentieren wir natürlich auch wieder unseren Lesetipp des Monats. Dieses Mal mit Philip Roth' Roman Der menschliche Makel.

Eckdaten zum Autor:
Philip Roth (geboren 1933) ist einer der bedeutensten Romanciers der Gegenwart und wird seit Jahren immer wieder für den Nobelpreis gehandelt. Der aus einer jüdischen Einwandererfamilie stammende Roth begann nach der Schule zunächst ein Jurastudium, bevor er sich der englischen Literaturwissenschaft widmete. Mit zwei Kommilitonen gründete er die Literaturzeitschrift Et ceterea, in der seine ersten literarischen Versuche publiziert wurden. Roth verpflichtete sich zwei Jahre bei der Armee, wurde aber aufgrund einer Wirbelsäulenverletzung frühzeitig entlassen. Anschließend gab er an der Uni in Chicago Schreibkurse. Während dieser Zeit begann er diverse Kurzgeschichten zu schreiben, die vor allem autobiografisch geprägt waren ( u.a. das Leben der Juden aus der unteren Mittelschicht in Newark) 1958 erschien dann der erste Kurzroman Goodbye, Columbus, der 1960 mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde. Außerdem erhielt Roth den Daroff Memorial Award of the Jewish Book Council. Allerdings löste die Verleihung große Kontroversen aus, sodass sich das Council genötigt sah, seine Auswahlkriterien zu Revidieren. Denn Roth würden unter anderem Antisemitismus und jüdische Selbstverachtung vorgeworfen. 

Auch sein dritter Roman Portnoy's Complaint wurde zum Skandal, aber die obszönen Monologe und die Verbindung von Sexualität und Schuldgefühlen machten Roth mit einem Paukenschlag weltbekannt. 1956 lernte Roth seine erste Ehefrau Margaret Martinson Williams kennen, die er 1959 heiratet. Schnell kamen aber Probleme in der Ehe auf, die Roth in seinen Romanen verarbeitete und Margaret mutierte in der Rolle der "Josie Jensen" (Die Tatsachen) sogar zum Gegenselbst des Autors. 1963 ließ sich das Paar scheiden. Auch Kafkaeske Züge lassen sich in Philip Roth Werk finden. So verwandelt sich in der Erzählung The Breast ein Literaturprofessor in eine weibliche Brust. Roth reiste auch oft nach Prag, um Nachforschungen über Kafka anzustellen. Außerdem hatte er dort Kontakt mit Schriftstellern wir Ivan Klima, Milan Kundera und Ludvik Vaculik. Als ihm 1977 das Visum verweigert wurde, gab er bei Penguin Books die Reihe Writer from the Other Europe heraus. 2012 gab Philip Roth bekannt, dass er keine Bücher mehr schreiben werde. Er möchte nur noch seine Lieblingsautoren lesen.